
Quelle: Sulzbach-Rosenberger Zeitung vom 14.04.2010
Genau 100 Jahre alt ist er heuer, doch kraftvoll und freudig wie immer und unüberhörbar lässt er andere an seiner Freude teilhaben: Dankbar feiert der CVJM-Posaunenchor sein rundes Jubiläum über das Jahr 2010 verteilt auf vielerlei Weise mit mehreren Veranstaltungen. Wer sich von der Musik des ältesten evangelischen Posaunenchors im Kirchenkreis Regensburg und damit auch im Dekanat Sulzbach-Rosenberg ansprechen lassen will, ist eingeladen, daran teilzunehmen.

Am 17. Oktober 1910 gründeten sechs junge Männer in Rosenberg einen Posaunenchor. Der Wunsch dazu war durch den Auftritt des Posaunenchors des CVJM-Nürnberg-Gostenhof zwei Jahre zuvor in Rosenberg und dann verstärkt noch einmal im Gründungsjahr bei einem christlichen Waldfest nahe Schmidtstadt geweckt worden. Die sechs Gründungsmitglieder - Thomas Stief, Georg Übler, Georg Nägelein, Hans Päßler, Georg Maul und Georg Stief - hatten ihr Ziel so formuliert, wie es heute noch gilt: "...die Frohe Botschaft des Evangeliums von Jesus Christus überall mit den Posaunen zu verkünden, zur Ehre Gottes und zur Freude für uns und unsere Mitmenschen."
Der erste Chorleiter, Architekt Georg Behringer aus Nürnberg, schreibt: "Ich sah, dass ich Brüder im Herrn vor mir hatte. Dies gab mir die Kraft und Freudigkeit, fast drei Jahre jeden Samstag die Probe zu leiten (jeweils drei bis 4 Stunden) und, wenn ich nicht gerade am Sonntag mit meinem Chor in Nürnberg spielen musste, auch diese Sonntage zur Probe herzunehmen (fünf Stunden)." Dieser Übungsfleiß sollte sich sehr bald im positiven Urteil keineswegs nur der Rosenberger Öffentlichkeit bezahlt machen.
Architekt Behringer leitete den Chor insgesamt 18 Jahre, und zwar ab dem Jahre 1913 dann von Amberg aus und von 1926 bis 1928 als Maxhütten-Angestellter direkt am Ort. Diese räumliche Nähe erleichterte vieles. Behringers Nachfolger als Chorleiter waren Albert Wicker (1928 bis 1929), Leonhard Hauenstein (1929 bis 1942), Georg Nägelein (1942 bis 1947), Oskar Hoffmann (1948 bis 1950), Georg Ertel (1947 und 1950 bis 1965) und dann Reinhold Than (1965 bis 1970).
Der gegenwärtige Leiter des CVJM-Posaunenchors, Kurt Lehnerer, versieht sein Amt ununterbrochen seit 1970 und hat mit diesen 40 Jahren längst einen "CVJM-Chorleiterrekord" aufgestellt. In dieser Zeit hat er über 100 Kinder, Jugendliche und Erwachsene an den Instrumenten angelernt, und das kostenlos.
Am Jubelchor ging die Geschichte der letzten hundert Jahre auch nicht spurlos vorüber. Besonders schmerzliche Lücken in die Reihen der Rosenberger Bläser rissen die beiden Weltkriege. Trotz oft jahrelanger Abwesenheit wichtiger Stützen des Chores oder gar Kriegsopfer wurde immer wieder ein Neuanfang geswagt. Gerade während des Zweiten Weltkrieges tat der Posaunenchor mit nur wenigen, meist sehr jungen Bläsern bei zahllosen Trauergottesdiensten in und um Rosenbergs seinen Dienst. Damals war es zur allgemeinen Motorisierung wie heute noch weit hin. Deshalb forderten die überörtlichen Verpflichtungen des Posaunenchores entbehrungsfreudigen Einsatz: Nicht selten wurden zu früher Morgenstunde am Sonntag, wenn andere ausschliefen, mit dem Instrument auf dem Rücken die Räder bestiegen, um rechtzeitig bis zur Gottesdienstzeit am Zielort Illschwang oder Eschenfelden zu sein.
Nicht zuletzt deshalb gingen vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg Impulse und tatkräftige Mithilfe von Rosenberg zur Gründung von eigenen Posaunenchören in umliegenden Gemeinden aus. So soll die Posaunenchorarbeit im CVJM Rosenberg auch in Zukunft weiter geschehen und bei Veranstaltungen im Jubiläum eindrucksvoll zu hören sein.
Es wird berichtet, dass der Posaunenchor
des CVJM Nürnberg-Gostenhof 1908 mit dem Lied "Komm zu dem Heiland,
komme noch heut" auf den Straßen Rosenbergs der Anstoß zur Gründung
des CVJM gewesen ist, 1910 begann dann die Geschichte des
Posaunenchors in Rosenberg.
Bis heute und auch künftig versucht der Posaunenchor - gerade als
Bestandteil des Christlichen Vereins junger Menschen und dessen
Anliegen - diesem "Gründungsauftrag" nachzukommen. Unser
Hauptanliegen ist es daher, zur Verkündigung der guten Botschaft von
Jesus Christus, zur Anbetung Gottes und zur Freude der Menschen zu
musizieren. Dies versuchen wir als Laienmusiker nach unseren
Möglichkeiten.
Der Posaunenchor des CVJM Rosenberg zählt mit seinen 100 Jahren auch
bayernweit zu den älteren Chören, im Kirchenkreis Regensburg und
damit auch im Dekanatsbezirk Sulzbach-Rosenberg ist er der älteste
Posaunenchor, von ihm sind Impulse und tatkräftige Hilfe zur
Gründung von weiteren Posaunenchören in der Umgebung ausgegangen.
Jährlich absolvieren wir an die 40 Auftritte – nicht nur innerhalb
der Rosenberger St. Johannis-Gemeinde und des CVJM, sondern auch
überregional und außerhalb von Kirchenmauern bei öffentlichen
Anlässen u. ä.
Schwerpunkt unserer Chorarbeit ist das
Liedgut der evangelischen Kirche vom traditionellen Choral bis zum
zeitgenössischen geistlichen Lied. Dazu gesellen sich typische
instrumentale Bläsermusiken, Spirituals und auch Volkslieder. I
n den ersten Jahren nach der Gründung hat der damalige Chorleiter
die Aufgabe des Posaunenchors so beschrieben: „Der Posaunenchor
diente dem CVJM, der Gemeinschaft sowie der Kirche in aller Liebe,
wo er eben gerufen wurde. Dieses fand ich an dem Chor so fein.“ Und
das ist auch heute noch so und soll so bleiben.
Kurt Lehnerer, im Namen der Bläserinnen und Bläser